I’ve Seen Films

Einer der wesentlichen Punkte beim Filmemachen ist das Veröffentlichen seiner Werke. Es ist nicht nur Teil des persönlichen Entwicklungsprozesses, es ist auch der Lohn für die harte Arbeit, die in ein Projekt investiert wurde. All die vielen Stunden, die im Verborgenen verbracht wurden, von der Planung bis zur Realisierung, werden in diesem Moment entlohnt. Deshalb gehören für mich als Filmemacher Screenings auf Festivals zu den allerschönsten Momenten.

Filme, die gemacht wurden, aber kein Publikum erreichen, kann man direkt in die Tonne schmeißen…Filme müssen gezeigt werden… z.B. das Medium Internet bietet die Möglichkeit eine große Community, die an Kurzfilmen und ähnlichen Formaten interessiert ist, zu erreichen. Natürlich ist es viel schöner den direkten Kontakt mit dem Medium und der Filmkultur auf Festivals zu zelebrieren als die Werke auf Vimeo anzusehen.

Niff.ch

Es ist auch wirklich schön, wenn man dann auf ein großes Festival wie dem NIFF.ch eingeladen wird, auf dem letztes Jahr Filme liefen, die man schätzt, wie “Enter the Void” oder Filme von “Das Kind mit der goldenen Jacke” , welche letztes Jahr den Preis für den besten Kurzfilm gewonnen haben. Oder in Mailand auf dem :

I’ve seen films

das von Rutger Hauer ins Leben gerufen wurde, den man vielleicht aus Filmen wie „Blade Runner“ kennt.

Dass unsere Filme in solch einer Umgebung gezeigt werden, ist natürlich ein enormer Motivationsschub. Es schreit richtig in einem – „Los, lass uns das nächste Projekt in Angriff nehmen!“ Und hier möchte ich auch einen Dank aussprechen an die Personen hinter diesen Festivals, die junge Filmemacher unterstützen und ihre Werke in die Welt hinaus tragen.

Ich kann nur jedem empfehlen, schickt eure Filme auf die Festivals! Wir wollen sie sehen! Und das ist auch mein Aufruf an die ganzen Leute da draußen, die ihre Filme nicht online stellen wollen…. Come On!!

Sind wir uns doch ehrlich, spätestens 1 ½ Jahre nach der Veröffentlichung und nachdem sie eine Festivalsaison hinter sich haben, lässt sich doch aus den Filmen nicht wirklich groß Kapital schlagen – was übrigens sehr schade ist, aber der Realität entspricht. Mit Kurzfilmen verdient man nur sehr schwer Geld. Aber was man sich verdienen kann ist Respekt und als Filmemacher wahrgenommen zu werden. Je mehr Leuten man seine Filme zugänglich macht, umso besser. Denn viele von den Filmen, die ich vor 2 Jahren in Kurzfilmprogrammen gesehen habe, sind unauffindbar im Netz!

Wie gesagt, ich bin leidenschaftlicher Festivalbesucher und wenn ich den ersten Langspielfilm eines Regietalents gesehen habe und ich später durch das Netz surfe, um seine früheren Werke zu finden, dann werde ich meistens enttäuscht, da die meisten dieser Filme nicht auffindbar sind. Natürlich steht es jedem Filmemacher frei, wie er mit seinen Werken umgeht, und wo er sie präsentiert, aber warum werden so viele dieser Perlen zuhause gebunkert?

So, ich höre schon die Aufschreie: “Das führt doch zu einer Entwertung des Films, die fürs Kino gemacht wurden!“. Quatsch! Es entsteht keine Entwertung des Werks dadurch … was aber der Wahrheit entspricht, ist, dass auf einem 15 Zoll Laptop oder Iphone sicher nicht das gleiche Klang- und Seherlebnis erzielt werden kann, wie in einem Kino. Das sollte inzwischen jedem klar sein.

Aber, „samma uns ehrlich“, die meisten Filme die wir sehen, wurden für das Kino gemacht, aber sie werden meisten von uns auf kleinen Laptops konsumiert, und das ist nicht erst seit Kino.to so. Die Frage, ob wir einen Spielfilm lieber im Kino oder auf unserem Laptop Zuhause ansehen möchten, muss jeder für sich beantworten. Bei Kurzfilmen gibt es oft diese Wahlmöglichkeit nicht. Da heißt es: sehen oder nicht sehen.

Kurzvorfilm

Ich plädiere dafür, dass wieder Kurzfilme vor dem Film eingeführt werden! Das würde eine angemessene Verwertung von Kurzfilmen bieten und die Filme würden ein großes Publikum erreichen! Ansonsten gibt es nicht viele Platformen auf welchen Kurzfilme ein angemessenes Publikum erreichen: Festivals (wie schon erwähnt), DVD – Kompilations (diese erreichen aber meistens nicht viele Leute, da die Anschaffungskosten sehr hoch sind), TV Ausstrahlung ist eine sehr gute Sache, nur werden, wie ich finde, zu wenig Kurzfilme im Fernsehen präsentiert. Doch neben der klassischen Verwertungskette gibt es auch neue Wege:

Filmbinder.com

oder

flimmit.com

Jeder kann seinen Film auf Filmbinder hochladen und für die Miete von 24h ein paar Euro verlangen. Das ist meines Erachtens eine super Sache. Auf diese Art und Weise ist es möglich einen Teil der Produktionskosten wieder einzuspielen.

Ataque de Pánico! (Panic Attack!) 2009

To Claire; From Sonny (short film)

Ataque de Panico und To clair: from Sonny haben eines gemeinsam, mit ihrem Release im Internet haben sie ein enorm großes Publikum erreicht. Fede Álvarez bekam sogar einen Vertrag in Hollywood um den Film auf die Leinwand zu bringen. Und die 17 jährige Joshua Beattie wurde von Youtube zum neuen Nachwuchstalent auserkoren. Mit einem Zitat aus einem Interview aus dem Spiegel möchte ich diesen kleinen gedanklichen Exkurs in die neue Welt der Filmverwertung (die übrigens nicht mehr so neu ist) beenden.

Beattie: „Ja. Sie (meine Lehrer) wollten unbedingt, dass ich ihn wieder aus dem Netz nehme. Denn wenn der Film auf YouTube zu sehen ist, darf ich ihn bei einigen Filmfestivals nicht einreichen. Mir ist es aber wichtiger, dass viele Leute im Internet darauf stoßen. Wenn der Kurzfilm ihnen gefällt, dann ist das viel mehr wert, als wenn er in einer Schublade liegt und vielleicht irgendeinen glitzernden Preis gewinnt.“